_________________________________________________________________________site in progress
Global Prayers
> Global Prayers to go // deutsch // english
> Global Prayers Projekt // deutsch // english
metroZones
> metroZones about us // deutsch // english
metroZones.SALOONs
> mZ.S2 Istanbul gegen die Wand?
> mZ.S1 All along Tempelhof
> mZ.S0 Das Politische der Stadt! The Right to the City?
mZ Publikationen
> mZ Publikationsreihe // Publications
> mZ Kontakt // Contact
Global Prayers
Global prayers to go
Erlösung und Befreiung in den Megastädten der Welt
Vorträge und Diskussion
(Auftaktveranstaltung des Forschungsprojekts "Global Prayers")
Di 02.06.2009 18:00h
„Wenn Gott in den Städten der industriellen Revolution starb, so
ist er in den postindustriellen Städten der Dritten Welt wieder auferstanden",
schreibt der Stadtforscher Mike Davis. Erstarkte religiöse "Identitäten"
und Bewegungen zählen heute zu den wichtigsten sozio-politischen Akteuren.
Mit der Mobilisierung des Religiösen in den Megametropolen – in Gestalt
von Islamisierung, Hindu-Nationalismus oder Pfingstkirchen – geht eine
Ethnisierung urbaner und sozialer Konflikte einher. Das multidisziplinäre
Projekt „Global Prayers“ untersucht die neuen urbanen Kirchen, deren
Übernahme von staatlichen Funktionen sowie den damit einhergehenden Wandel
städtischer Politiken.

Programm
Mit: Asef Bayat, Patricia Birman, Filip de Boeck, Edgar Cleijne, Julia Eckert, Werner Schiffauer, David Garbin
[ Kurzbiographien ]
sowie Klaus Teschner, Kerstin Pinther, Gerda Heck, Sandra Schäfer, Sabine Bitter, Helmut Weber, Jens Röhm, Chara Ganotis, Manuela Bojadžijev.
18 22 h Public event with talks and discussion
Welcome: Susanne Stemmler (HKW), N.N. (Heinrich Böll-Stiftung)
Introduction: metroZones Center for Urban Affairs
Global Prayers a transnational, interdisciplinary research and cultural project
18.15 19.30 h: Panel 1
Local spatialization and transnational routes: the ‘glocality’ of Pentecostalism
Patricia Birman: ‚From the Favela to the world’: glocal Pentecostalism in Rio de Janeiro
Filip de Boeck : Re/Proselytizing in the (post-)colonial city: Kinshasa // Brüssel
Edgar Cleijne: Church as spectacle: urban prayers in Lagos
19.30 20.15 h: Panel 2
Political mobilization of religion in the city: militant Islamism and Hindu-Nationalism
Asef Bayat: Radical religion and the urban dispossessed in Cairo and Teheran
Julia Eckert: Participation, politics of violence and “the enemy within”: Hindu-Nationalism and Muslim activism in Bombay/Mumbai
Break: 30 min
20.45 21.30 h: Panel 3
Official politics, urban change, local conflicts: the territorialization of religious movements in European metropolises
Werner Schiffauer: Third space: Islamic community and urban identification in Berlin
David Garbin: Diasporic religious spatialisations: the Islamisation and Christianization of East London
21.30 22.00 h: Discussion with all panelists and the audience
Eine Kooperation von Metrozones e.V. mit dem Haus der Kulturen der Welt und der Heinrich-Böll-Stiftung
Veranstaltungsort:
Haus der Kulturen der Welt
John-Foster-Dulles-Allee 10
10557 Berlin
http://www.hkw.de
> up
Global prayers to go
Salvation and Liberation in the Megacities of the World
Lectures and Discussion
(Inaugural event of the research project "Global Prayers")
Tue 02.06.2009 18:00h
"If God died in the cities of the industrial revolution, he has risen again in the postindustrial cities of the developing world," writes urban theorist Mike Davis. Reinvigorated religious "identities" and movements are considered among the most important socio-political agents today. The mobilization of the religious in the mega-metropolises - in the guise of Islam, Hindu nationalism or Pentecostal churches - is accompanied by an ethnicizing of urban and social conflicts.
Programme
With: Asef Bayat, Patricia Birman, Filip de Boeck, Edgar Cleijne, Julia Eckert, Werner Schiffauer, David Garbin [ short biographies ]
and Klaus Teschner, Kerstin Pinther, Gerda Heck, Sandra Schäfer, Sabine Bitter, Helmut Weber, Jens Röhm, Chara Ganotis, Manuela Bojadžijev.
18 22 h Public event with talks and discussion
Welcome: Susanne Stemmler (HKW), N.N. (Heinrich Böll-Stiftung)
Introduction: metroZones Center for Urban Affairs
Global Prayers a transnational, interdisciplinary research and cultural project
18.15 19.30 h: Panel 1
Local spatialization and transnational routes: the ‘glocality’ of Pentecostalism
Patricia Birman: ‚From the Favela to the world’: glocal Pentecostalism in Rio de Janeiro
Filip de Boeck : Re/Proselytizing in the (post-)colonial city: Kinshasa // Brüssel
Edgar Cleijne: Church as spectacle: urban prayers in Lagos
19.30 20.15 h: Panel 2
Political mobilization of religion in the city: militant Islamism and Hindu-Nationalism
Asef Bayat: Radical religion and the urban dispossessed in Cairo and Teheran
Julia Eckert: Participation, politics of violence and “the enemy within”: Hindu-Nationalism and Muslim activism in Bombay/Mumbai
Break: 30 min
20.45 21.30 h: Panel 3
Official politics, urban change, local conflicts: the territorialization of religious movements in European metropolises
Werner Schiffauer: Third space: Islamic community and urban identification in Berlin
David Garbin: Diasporic religious spatialisations: the Islamisation and Christianization of East London
21.30 22.00 h: Discussion with all panelists and the audience
A co-operation of Metrozones e.V. with Haus der Kulturen der Welt and Heinrich-Böll-Stiftung
Venue:
Haus der Kulturen der Welt
John-Foster-Dulles-Allee 10
10557 Berlin
http://www.hkw.de
>up
Global Prayers. Erlösung und Befreiung in den Megastädten
der Welt
ein transnationales Forschungsprojekt von metroZones e.V.
Idee
"Wenn Gott in den Städten der industriellen Revolution starb, so ist
er in den postindustriellen Städten der Dritten Welt wieder auferstanden",
schreibt der Stadtforscher Mike Davis in seinem Essay Planet of Slums: Heutzutage
besetzten "der populistische Islam und das pfingstliche Christentum (und
in Bombay der Shivaji-Kult) einen sozialen Raum analog zu dem des Sozialismus
und Anarchismus des frühen zwanzigsten Jahrhunderts". Mit der Mobilisierung
des Religiösen in den städtischen Räumen der Megametropolen –
in Gestalt von Islamisierung, Hindu-Nationalismus, Pfingstkirchen und Evangelikalen
– geht zugleich eine Ethnisierung urbaner Konflikte einher. Diese Renaissance
religiöser und ethnischer "Identitäten" und Bewegungen -
die heute zu den wichtigsten Akteuren gerade in der Organisierung der städtischen
Armen zählen - lässt sich womöglich als eine Art urbane "Kulturrevolution"
beschreiben: Wo früher säkulare politische Bewegungen ein besseres
Leben versprachen, scheint heute das Versprechen auf spirituelles Heil zu stehen
(vgl. dazu den Abschnitt "Hintergrund").
Das multidisziplinäre Projekt "Global Prayers" will die neuen
urbanen Kirchen und den damit einhergehenden Wandel der Heilsversprechen untersuchen:
Wie ist ihre wachsende Popularität nicht nur in den Armutsvierteln sondern
auch unter den urbanen und aufstiegsorientierten Mittelschichten zu erklären?
Handelt es sich primär um eine weltumspannende Reaktion auf Krisen, materielle
Nöte und Marginalisierung in Folge wirtschaftsliberaler Politik? Oder ist
der Boom der Glaubensgemeinschaften eher das Produkt von kultureller Fragmentierung,
befördert von Migration und "entfremdender" Globalisierung, von
Atomisierung des städtischen Alltags? Füllen die oftmals transnational
aufgestellten kirchlichen Organisationen als Global Prayers ein Macht- und emotionales
Vakuum, das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, Erlösung und Befreiung,
das andere Institutionen und gesellschaftliche Kräfte hinterlassen haben?
Sind sie nur als rückwärtsgewandte Kräfte zu verstehen, die Ängste
und Wut großer Bevölkerungsteile instrumentalisieren oder können
sie auch als Ausdruck einer widerständigen Gesellschaftlichkeit gelesen
werden, die zwischen den Polen forcierter Modernisierung und Armut zerrieben
wird? Und löst der Aufstieg religiöser Organisationen tatsächlich
säkulare Urban Movements ab oder waren nicht diese – Stichwort Befreiungskirchen
– häufig ebenso eng an religiöse Logiken und Strukturen gekoppelt?
Schließlich: Bedeutet der Niedergang traditioneller Stadtbewegungen auch
das Ende emanzipativer politischer Kräfte in den Städten – oder
beinhalten die ethnisch-religiösen Organisationsformen lediglich ein anderes
Verständnis von Emanzipation, Befreiung und Erlösung?
Diesen Fragen soll anhand ausgewählter Fallstudien und transnationaler
Verknüpfungen nachgegangen werden: dichte Beschreibungen in Bild und Text
der Aktivitäten, Strategien und Sinnproduktionen religiöser Akteure
und Gemeinschaften in Metropolen des globalen Südens wie Lagos, Mumbai,
Rio de Janeiro oder Kinshasa – aber auch in westlichen Megastädten
wie London oder Los Angeles, deren Einwandererquartiere im Zuge postkolonialer
Diasporas und Migrationsbewegungen re-missioniert werden.
Global Prayers Hintergrund
Früher galt die Großstadt als säkulares Terrain. Nicht nur in
den europäischen Industriestädten des 19. Jahrhunderts – Berlin
galt damals als irreligiöseste Stadt der Welt – hatten Zuwanderer
innerhalb kurzer Zeit ihre vom Land mitgebrachten religiösen Gebräuche
hinter sich gelassen. Dasselbe galt bis in das späte 20. Jahrhundert für
die urbanen Agglomerationen des globalen Südens, von denen viele rapide
zu Megastädten anwuchsen. Lange entsprach die Annahme von Karl Marx und
Friedrich Engels der historischen Realität, dass sich die Arbeiterklasse
im Rahmen ihrer Urbanisierung zunehmend säkularisiere: Sozialistische oder
kommunistische Arbeiterbewegungen rekrutierten ihre Anhänger gerade in
innerstädtischen Slums sich industrialisierender Großstädte.
Die irregulären shantytowns, barrios oder favelas an den Peripherien der
Metropolen des Südens waren dagegen nie durch die Arbeiterklasse dominiert,
sondern vom "städtischen Lumpenproletariat" sowie kleinen Händlern
oder Handwerkern bewohnt. Ihr zentrales Problem lag weniger in der Ausbeutung
am Arbeitsplatz als in der Illegalität ihrer Wohnorte und damit ihrer prinzipiellen
Exklusion aus der städtischen Gesellschaft. Diese irreguläre Stadt
bildete weniger eine soziale Basis der Arbeiterbewegung als das Territorium
für "städtische soziale Bewegungen", die für das Recht
auf kollektiven Konsum, kulturelle Autonomie und lokale Selbstbestimmung kämpften.
In Lateinamerika spielten diese movimientos urbano populares – oft unterstützt
von befreiungskirchlichen Basisgemeinden – eine zentrale Rolle beim Kampf
gegen die Militärdiktaturen. Die irregulären Siedlungen und ihre Organisationen
dienten als Rückzugsräume für die Stadtguerilla sowie als organisatorische
Motoren für die späteren Massenbewegungen gegen die Regimes. Auch
in der türkischen Metropole Istanbul unterstützten Bewohner der irregulären
Gecekondu-Siedlungen im "unerklärten Bürgerkrieg" vor dem
1980er Putsch mehrheitlich die militante Linke, die dort "befreite Zonen"
aufbaute und in teilweise bewaffneten Auseinandersetzungen verteidigte.
In den 1980er Jahren begannen sich die großstädtischen Szenerien
weltweit zu verändern. In türkischen Großstädten wandten
sich die Bewohner der Gecekondus von links-säkularen Bewegungen ab, islamisierten
sich zunehmend und übernehmen inzwischen Regierungstätigkeiten. Weltweite
ökonomische Krisenerscheinungen, die zunehmende Desillusionierung mit westlicher
Moderne und sozialistischen Ideen sowie die Unterdrückung linker Bewegungen
spielten dafür ebenso eine Rolle wie die globale Tendenz, im Islam eine
revolutionäre Ideologie zu sehen. Ein Großteil der informellen Städter
unterstützte schließlich die islamistische Wohlfahrtspartei (RP),
die sich 1994 die Macht in Istanbul sicherte. Ihr war es gelungen, die kulturellen
Elemente sowie die ethnischen und religiösen Identitäten der ländlichen
Zuwanderer, die schon in den 1980er Jahren die Mehrheit der Stadtbewohner stellten
und sich zu einer urbanen Mittelklasse aufschwangen, positiv als Organisationsprinzip
aufzugreifen und sie nicht wie die Linke als zu überwindendes Übel
zu thematisieren. Zugleich orientierte sich die islamistische Kommunalpolitik
an linken Stadtteilaktivitäten der Vor-Achtzigerjahre, rückte existentielle
Bedürfnisse ärmerer Bewohner ins Zentrum und verquickte allgemeinpolitische
Themen mit Glaubensfragen (vgl. C. Tugal in: O. Esen/S. Lanz (Hg.): Self Service
City: Istanbul, metroZones 3, Berlin 2005). Auch in den Städten von Marokko
haben sich islamistische Bewegungen wie „Gerechtigkeit und Wohlfahrt“
zu faktischen Verwaltungsorganen der Slums aufgeschwungen, insofern sie Abendschulen
organisieren, Rechtshilfe gegen staatliche Willkür bieten und Bedürftige
materiell unterstützen. Die explizit auf Solidarität, Selbsthilfe
und Brüderlichkeit setzenden Islamisten, so zitiert Mike Davis einen dortigen
Sozialistenführer, „haben unsere natürliche Wählerschaft
verführt. Sie versprechen ihnen den Himmel auf Erden.“
Im indischen Bombay übernahm die hindu-nationalistische Bewegung Shivsena
diese Rolle. Als sie 1995 in Bombay an die Macht kam, benannte sie die Stadt
nach einer hinduistischen Göttin in Mumbai um. Die Bewegung definiert sich
als Hüterin einer gerechten Ordnung und versucht diese gewaltsam gegen
"Feinde" und staatliche Organe, die sie als den oberen Klassen dienende
Macht versteht, herzustellen. Organisiert in lokalen Ortsvereinen, ist die Shivsena
in Mumbai gleichermaßen soziale Bewegung und kriminelle Gang, NGO und
Regierungspartei, parastaatliche Polizei und Gerichtsbarkeit. Als kommunitäre
Organisation, die soziale Dienste anbietet, kulturelle Aktivitäten organisiert
oder Jobs vermittelt, spielt sie eine zentrale Rolle für die soziale Integration
vieler Armutsviertel, in denen der Staat zwar als Ordnungsmacht auftritt, aber
keinerlei soziale Verantwortung wahrnimmt. Gewalt bildet den Kern der aktionistischen
Shivsena-Politik, die maßgeblich die antimuslimischen Pogrome seit Beginn
der 1990er Jahre zu verantworten hat. Als Folge des militanten Kommunalismus,
der in solchen Ausschreitungen kulminiert, schreitet die Segregation der Stadt
nach religiöser Zugehörigkeit weiter fort (vgl. Julia Eckert in: J.
Becker/S. Lanz (Hg.): Space//Troubles, metroZones 1, Berlin 2003).
In den christlich missionierten Weltregionen Lateinamerika und Subsahara-Afrika
wiederum stellt heute die protestantische Pfingstkirchenbewegung, die sich als
erste größere Weltregion primär in den Megastädten entwickelte,
die weltweit schnellst wachsende religiöse Strömung dar. Die Überwindung
der in herkömmlichen Kirchen herrschenden Rassenschranken sowie die Anklage
der Ungerechtigkeiten des Industriekapitalismus charakterisierten bereits den
Ursprung der Pfingstkirchen in den USA und – gekoppelt an den Panafrikanismus
– im frühen 20. Jahrhundert auch in Afrika. Der Siegeszug der mehrheitlich
von Laien gegründeten Pfingstkirchen basiert in Afrika primär darauf,
dass sie sich von der Staatsnähe der etablierten Kirchen abgrenzen, ihr
Christentum an afrikanische Traditionen wie den Glauben an Geister anpassen
und sich so in den Städten verankern (vgl. Dominic Johnsons Essay "Afrikas
Verführer", taz-Dossier, 29.05.04). Zugleich geben sie aus der Perspektive
ihrer Anhänger eine Antwort auf die sozialen Verwerfungen im Rahmen gesellschaftlicher
Modernisierungsprozesse. Ihre Fundamente stellen gleichwohl Bibeltreue, individuelle
Verantwortlichkeit für das eigene Schicksal sowie totale Disziplin der
Lebensführung dar: Als Kirchen der sozialen Aufsteiger ("Winners Chapel"
Nairaland, Lagos), die sich zu einer neuen städtischen Mittelschicht konstituieren,
erklären sie Gottesfurcht und Kirchentreue als Schlüssel zum Wohlstand
– so die große "Redeemed Christian Church of God" im nigerianischen
Lagos –, unterhalten teilweise private Universitäten, Management-Schulen,
Filialen in Europa oder den USA und sind letztlich profitorientierte Wirtschaftsimperien.
(vgl. J. Becker ‚Welcome to Nigeria’ in CENTRUM. Jahrbuch Architektur
und Stadt 2002/03, Darmstadt)
Weil sie auf Familienwerte, Enthaltsamkeit und die Solidarität lokaler
Gemeinschaften setzen, ziehen die "partizipatorisch autoritären"
Pfingstkirchen in brasilianischen Städten dagegen gerade die am stärksten
verelendeten Gruppen der allein erziehenden Mütter an, so zeigt Andrew
Chesnut in seiner Studie "Born Again in Brazil" (Rutgers 1997). Die
Soziologin Alba Zaluar wiederum beobachtet, wie das rapide Wachstum der Pfingstkirchen
etwa in den Favelas von Rio de Janeiro eine neuartige "Artikulation zwischen
dem Politischen und dem Religiösen" erzeugt und die lokalen Comunidades
spaltet (in: dies./M. Alvito (Hg.) 1998: Um seculo de favela. Rio de Janeiro).
Viele Bewohner der Favelas befinden sich in einem unauflösbaren Geflecht
zwischen korrupten Staatsorganen und gewaltsamen Drogengangs, in dem Kategorien
einer legitimen sozialen Ordnung verschwimmen. Religiöse Ideologeme, die
scharf zwischen Gut und Böse trennen, auf dem Erweckungserlebnis einer
reinigenden Katharsis basieren und abseits einer schmutzigen Realität die
geschlossene Gemeinschaft einer überschaubaren Welt predigen, scheinen
hier eine verlässliche Ordnung zu bieten. Die politische Identität
der Favela-Bewohner, die sich in jahrzehntelangen Kämpfen um gleichberechtigte
Bürgerrechte herausgebildet hatte, löst sich im Kontext der nun religiös
definierten Identitäten hingegen weitgehend auf. Auf Seiten der urbanen
Mittelschichten wiederum ist eine verstärkte Hinwendung zu afro-synkretistischen
Religionen zu beobachten, die noch vor kurzem nahezu ausschließlich von
afro-brasilianischen Favela-Bewohnern praktiziert wurden.
>up
Global Prayers. Salvation and Liberation in
the World’s Megacities
A Transnational Project by metroZones. Center for Urban Affairs
Project Conception and Idea
"If God died in the cities of the industrial revolution,
he has risen again in the post-industrial cities of the developing world,"
writes urban critic and researcher Mike Davis in his essay Planet of Slums.
"Today populist Islam and Pentecostal Christianity (and in Bombay, the
cult of Shivay) occupy a social space analogous to that of early twentieth-century
socialism and anarchism." The mobilization of the religious in urban
spaces of mega-metropolises – in the gestalt of Islamization, Hindu-Nationalism,
Pentecostalism, and Evangelicals – comes along with the ethnicization
of urban conflicts. This renaissance of religious and ethnic "identities"
and movements – ranking among the most important actors in organizing
the urban poor today – may be described as a "cultural revolution".
The promise of secular political movements for a better life seems to have
been substituted today by religious movements and their pledge of spiritual
salvation.
The multidisciplinary project Global Prayers seeks to explore the new urban
landscape of churches, congregations and faith-based organizations, and the
associated alteration of promises of salvation. How do we explain their growing
popularity not only in poverty-stricken neighborhoods but also among the urban
middle classes geared to their own advancement? Do we witness primarily a
world-spanning reaction to global crises, material hardship and processes
of marginalization as a result of free market policies? Or, does the boom
of denominations rather feed on cultural fragmentation, boosted by migration
and "alienating" forms and forces of globalization, and the atomization
of urban everyday life? Are ecclesiastical organizations, often positioned
transnationally, filling, as Global Prayers, an emotional and political vacuum,
the need for belonging, salvation and liberation left behind by other institutions
and social forces? Can they be understood only as regressive forces exploiting
the fears and anger of large parts of the population, or can they also be
read as an expression of resistant collectivity pulverizing between the poles
of accelerated modernization and poverty? And does the rise of religious organizations
really replace secular urban movements, or were the latter not often linked
just as much to religious logics and structures (see the liberation churches)?
And finally, is the demise of traditional urban movements also a clear indication
for the lapse and failure of emancipative urban forces, or are ethno-religious
forms of organization merely implying a different understanding of emancipation,
liberation and salvation?
These research questions will be pursued based on selected case studies and
transnational connections: thick visual and textual descriptions of activities,
strategies and sense-making of religious actors and communities in metropolises
of the global South, like Lagos, Mumbai, Rio de Janeiro or Kinshasa will be
sought, but also in Western megacities like London or Los Angeles, whose immigrant
neighborhoods are currently experiencing trends of re-proselytization through
movements of postcolonial migration and the establishment of new diasporas.
>up
metroZones
„metroZones – Zentrum für städtische Angelegenheiten“ hat sich 2007 als unabhängiger Verein gegründet, um an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Politik verschiedene Ansätze der Forschung, Wissensproduktion, Kulturpraxen und politischen Interventionen zu kombinieren und öffentlich zu thematisieren. Dabei setzen wir auf internationale, interdisziplinäre und institutionelle Kooperationen. Die Expertise von metroZones speist sich aus der langjährigen, disziplinär und regional verzweigten Arbeitserfahrung seiner Mitglieder in Forschung, Kultur, Medien und städtischer Politik: Jochen Becker (Kurator und Kritiker, u.a. Lagos/Teheran), Britta Grell (Politologin, Los Angeles/ Chicago/New York), Anne Huffschmid (Kulturwissenschaftlerin und Autorin, u.a. Mexiko-Stadt/ Buenos Aires), Stephan Lanz (Stadtforscher und Kurator, u.a. Rio de Janeiro/Istanbul/Berlin), Oliver Pohlisch (Kulturwissenschaftler und Journalist, u.a. London), Katja Reichard (Künstlerin und Inhaberin des Buchladens pro qm, Berlin), Erwin Riedmann (Soziologe, Berlin), Kathrin Wildner (Stadtethnologin und Kuratorin, u.a. Mexiko-Stadt/Istanbul).
>up
"metroZones – Center for Urban Affairs" was founded as an independent association in 2007 to bring together and discuss publicly different approaches to research, knowledge production, cultural practices and political intervention at the interface of art, scholarship and politics. We count on international, interdisciplinary and institutional cooperation. metroZones' expertise feeds on the longstanding, disciplinarily and regionally widely-branched work experience of their members in research, culture and arts, the media and urban politics. Jochen Becker (curator and critic, Lagos/Teheran among others), Britta Grell (political scientist, Los Angeles/Chicago/New York), Anne Huffschmid (cultural scientist and author, Mexico City/Buenos Aires among others), Stephan Lanz (urbanist and curator, Rio de Janeiro/Istanbul/Berlin among others), Oliver Pohlisch (cultural scientist and journalist, London among others), Katja Reichard (artist and owner of the bookstore pro qm, Berlin), Erwin Riedmann (social scientist, Berlin), Kathrin Wildner (urban ethnographer and curator, Mexiko-City/Istanbul among others)
>up
metroZones.SALOONs
metroZones.SALOON 2
Istanbul gegen die Wand?
Städtische Konflikte, counter spaces, transnationale Netzwerke
Diskussion mit Pelin Tan, Orhan Esen und VertreterInnen des Forums Berlin
Istanbul
Freitag, 6. Februar 2009 // 20 Uhr im Ballhaus Naunynstraße
Im Frühjahr 2008 gingen Nachrichten über Zwangsräumungen und den Abriss des Istanbuler Stadtteils Sulukule durch die internationalen Medien. Heute ist ein Großteil des historischen Roma-Viertels – trotz breiten Widerstands und weltweiter Proteste – zerstört. Die bestehenden Pläne für Parkplätze, Shopping Malls und Luxuswohnungen im „osmanischen Stil“ scheinen endgültig realisiert zu werden. Sulukule ist in Istanbul nur eines von vielen Beispielen für aktuelle (neoliberale) Umstrukturierungsprozesse. Diese treffen sowohl innerstädtische Quartiere als auch Gecekondu-Viertel, die ursprünglich an der städtischen Peripherie im Selbstbau entstanden sind. Auch in Tarlabasi, einem Migrantenviertel in unmittelbarer Nähe des kosmopolitanen Vergnügungsviertel rund um den Taksimplatz, drohen Gentrifizierungsprozesse und massive Mieterhöhungen einkommensschwache Bevölkerungsgruppen zu vertreiben.
Auch wenn die Situation in Istanbul durch spezifische Bedingungen geprägt ist – großmaßstäbliche Masterpläne für die Metropole, neue Stadtentwicklungsgesetze sowie besondere lokale Akteurskonstellationen – , erscheint es sinnvoll, nach Parallelen zu Auseinandersetzungen um aktuelle Verdrängungs- und Aufwertungsstrategien in Berlin zu fragen.
Wir möchten in der Veranstaltung metroZones.SALOON 2 über aktuelle urbane Konflikte in Istanbul, über Erfahrungen des (lokalen) Widerstandes und die Möglichkeiten auch transnationaler Unterstützungsnetzwerke diskutieren.
Welche Formen der kritischen Intervention gibt es bzw. hat es in Istanbul gegen städtische Umstrukturierungspläne gegeben? Welches sind zentrale Handelnde und Bündnisse? Wie werden hierbei die unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse der Istanbuler Bevölkerung repräsentiert?
Was sind urbane counter spaces, und welche Bedeutung haben sie über die lokalen Konflikte hinaus? Welche Öffentlichkeiten werden angesprochen und hergestellt? Welche Formen, Ziele und Foren der transnationalen Vernetzung sind vorstellbar?
metroZones diskutieren mit:
Pelin Tan. Soziologin, Vertreterin des Netzwerkes „Sulukule Platform“ (Istanbul), Gastprofessorin Akademie der bildenden Künste Nürnberg und Autorin zahlreicher Beiträge zum Verhältnis von Raum, Stadtpolitik und Kunstpraktiken
Orhan Esen. Historiker, Autor und Stadtführer (Istanbul), u.a. Mitherausgeber des Buches Self Service City: Istanbul
VertreterInnen des Forums Berlin Istanbul
Ort: Ballhaus Naunynstraße, Naunynstr. 27, 10997 Berlin-Kreuzberg, U1 u. U8 Kottbusser Tor
Istanbul gegen die Wand? ist eine gemeinsame Veranstaltung von metroZones und dem Ballhaus Naunynstrasse www.ballhausnaunynstrasse.de
>up
metroZones.SALOON 1
All along Tempelhof
Städtische Interventionen zwischen Protest, Bürgerbeteiligung und
„kultureller Aktivierung“: Lokale Initiativen zur künftigen
Nutzung des Tempelhofer Flughafengeländes
Mit VertreterInnen von raumlabor-berlin, der Bürgerinitiative für die Nachnutzung des Flughafens Tempelhof (NANU THF) und der Initiative “Tempelhof für Alle”
Am 31. Oktober wurde der Flugbetrieb in Tempelhof nach dem im April erfolgreich
gescheitertem Volksentscheid endgültig eingestellt. Die Schließung
ist zugleich eine Öffnung: Berlin gewinnt damit im Zentrum der Stadt eine
riesige Freifläche von 386 ha, die 500 Fußballfeldern entspricht
und nach neuen Nutzungskonzeptionen verlangt. Ein wesentliches Versprechen des
Senats in der Auseinandersetzung um die Schließung des Flughafens war
die Ankündigung, dass mit Ende des Flugbetriebs der Berliner Bevölkerung,
vor allem aber den AnwohnerInnen der angrenzenden Quartiere, eine große
Grün-, Frei- und Sportfläche zur Verfügung gestellt wird. Nach
einer ersten Phase der „Bürgerbeteiligung“, Fachforen und Studien
laufen zurzeit diverse städtebauliche und landschaftsplanerische Wettbewerbe
und Interessenbekundungsverfahren, die sich vor allem an potentielle kommerzielle
Investoren richten. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung kündigte
an, das Tempelhofer Feld und die umliegenden Stadtviertel im Rahmen einer Internationalen
Bauausstellung (IBA) und einer Internationalen Gartenausstellung (IGA) entwickeln
lassen zu wollen.
Wir möchten am Beispiel der aktuellen Auseinandersetzungen um den Flughafen
Tempelhof mit VertreterInnen lokaler Initiativen eine Diskussion zu unterschiedlichen
Strategien und Ansätzen politischer/städtischer Intervention eröffnen.
Eine Grundannahme ist, dass es kaum Orte und Gelegenheiten gibt, wo es zu einem
Austausch und einer kritischen Reflektion dieser oftmals einfach nebeneinander
existierenden Aktivitäten und Handlungsperspektiven kommt.
Was können im Rahmen der aktuellen Planungen für die Nachnutzung des
Tempelhofer Flughafengeländes und unserer Einschätzungen zur Berliner
Stadtentwicklung sinnvolle (linke) städtische Interventionen sein? Wer
sind die Adressaten bzw. die Interessen, die mit ihnen vertreten werden? Wie
halten wir es mit Konzepten wie „lokaler Demokratie“, „zukunftsfähige
Stadt“ oder „Allgemeinwohl der Bevölkerung“? Bleibt als
kleinster gemeinsamer Nenner linker städtischer Politik nur noch die Forderung
nach mehr „Grün- und Freiflächen“?
Dienstag 16. Dezember 2008 // 20 Uhr
im Theater-Café Sowieso, Weisestr. 24, 12049 Berlin-Neukölln
>up
metroZones.SALOON 0
Das Politische der Stadt! – The Right to the City?
28. und 29. Juni 2008, Berlin
Die Krise politischer Repräsentation sowie radikale ökonomische Transformationen befördern derzeit vielerorts neue Formen städtischer Praxis, urbaner Mobilisierung und Organisierung sowie kultureller Widerständigkeit. Unter dem Schlagwort >The Right to the City< formieren sich seit einigen Jahren in verschiedenen Ländern soziale Bewegungen, bei denen entweder das Recht auf Wohnraum, der Zugang zu Bildungsinstitutionen und anderen städtischen Einrichtungen, die Präsenz in der Öffentlichkeit oder die zunehmende Verdrängung von einkommensschwachen Bewohnergruppen aus den Zentren der Metropolen Gegenstand der Auseinander setzungen sind. Auch bei uns ist die Debatte um das Recht auf Stadt inzwischen mit einiger Verspätung angekommen, und stellt nicht nur die Frage, wie urbane Interventionen und Strategien der Raumaneignung und -produktion, welche sich gegen herrschaftliche Definitionen des Städtischen richten, heute aussehen [könnten], sondern auch nach dem, was wir selbst als das „Politische“ in der Stadt begreifen.
-------------
metroZones e.V. * lädt hiermit zu einer Veranstaltung und zu einem Workshop
am 28. und 29. Juni in Berlin ein um diese Fragen zu diskutieren. metroZones
hat sich als unabhängiger Verein mit dem Ziel gegründet, an der Schnittstelle
von Kunst, Wissenschaft und
Politik unterschiedliche Ansätze von Forschung, Wissensproduktion, kulturellen
Praxen und politischen Interventionen/Bewegungen zusammenzubringen und zu thematisieren.
Dabei setzen wir auf internationale, interdisziplinäre und institutionelle
Kooperationen.
* Jochen Becker, Britta Grell, Anne Huffschmid, Stephan Lanz, Oliver Pohlisch, Katja Reichard, Erwin Riedmann, Kathrin Wildner
Öffentliche Veranstaltung
Samstag 28. Juni 2008 20.30 Uhr
Ort: Buchhandlung Pro qm, Almstadtstr. 48-50, 10119 Berlin
u.a. Kurzbeiträge von
Marcelo Lopes de Souza (Rio de Janeiro) und Stephan Lanz (Frankfurt/ Oder u. Berlin) zu Stadtteil- und Favela-Bewegungen in Brasilien
Kathrin Wildner (Hamburg u. Frankfurt/Oder) und Anne Huffschmid (Berlin u. Mexiko Stadt) zu politischen Aneigungen von/in Mexiko Stadt
Britta Grell (Berlin) und Gerda Heck (Köln) zu >The Right to the City Alliance< in den USA
Ellen Bareis (Frankfurt/Main) , James Redfield (Hanover, USA und Berlin) und Erwin Riedmann (Berlin) zu Schulkonflikten in den französischen Banlieues und Berliner Armutsquartieren.
-------------
Workshop
Sonntag, 29. Juni 2008, 12.oo-17.oo Uhr
Ort: Prinzenallee 58, Berlin-Wedding
Der Workshop findet im Anschluss an die Veranstaltung am Samstag statt und will in einer kleineren Runde einige der angesprochenen Themen genauer diskutieren. Unser Vorschlag für eine Struktur:
Teil 1
Inputs der Veranstalter und Teilnehmer zur Bedeutung des Bezugsrahmens „Right
to the City“ für aktuelle städtische Konflikte, Praxen und Auseinandersetzungen.
Teil 2
Bestandsaufnahme und Fragen nach Trägern, Strategien und Zielen von neuen
Formen der Organisierung, des kollektiven Widerstandes und städtischen
Handelns in globaler Perspektive, basierend auf Erfahrungen aus unterschiedlichen
städtischen Kontexten und
Arbeitsbereichen (Kunst/Kultur, politische Organisierung, soziale Arbeit, Alltagspraxis
etc.).
Teil 3
„Recht auf die Stadt“? Diskussion um die Möglichkeiten der
Kooperation und Notwendigkeiten von neuen Formen der Intervention im lokalen
und internationalen Rahmen.
Im Workshop sollen folgende Fragen im Zentrum stehen:
- >The Right to the City< in Theorie und Praxis: Grundlage und Synthese
für neue Formen der kollektiven Aneignung und Organisierung?
- Urbane Praktiken und Konflikte an verschiedenen Orten – Querkopplungen
und Vergleichbarkeit?
- Verhältnis von kritischer Forschung, kulturellen und sozialen Initiativen
und politischer Intervention?
>up
mZ Publikationen
metroZones Buchreihe / Publications
On this pages you will find several texts from the first metroZones books published in the ongoing publications series. These books are the results of the project "ErsatzStadt" (Substitute City).
>up
Kontakt // Contact
metroZones
c/o metrogap e.V.
Lausitzer Str. 10
10999 Berlin
metroZones(at)gmx.net
>up