metroZones.SALOON
3
Lefebvre
in Neu-Belgrad
Autogestion / Selbstverwaltung & das Recht auf Stadt
mit Klaus Ronneberger (Stadtkritiker, Frankfurt/M) und Kommentaren
von Helmut Weber (Künstler, Wien), Manuela Bojadijev (Ultra-Red,
Berlin), Jochen Becker (mZ, Berlin)
16.Oktober
um 20 Uhr 30
Buchhandlung Pro qm
Almstadtstr. 48 - 50
10119 Berlin

„Sie kennen mich doch:
Unter Innovationen mache ich es nicht. Aber im Ernst: Die IG Metall verfolgt
da keine übergeordnete, generelle Linie. Wir reagieren auf die Krise.
Was in den Unternehmen passiert, ist nicht geboren als theoretisch-ideologisches
Konstrukt, es geht nicht um ein neues jugoslawisches Modell von Mitarbeiterkapitalisten
oder irgendeinen neuen dritten Weg. Das Scheitern all dieser Modelle habe
ich ausgiebig studiert.“ IG-Metall-Chef Berthold Huber im Gespräch
mit der FAZ, 23.8.2009
1986 nahm der französiche Stadt-Theoretiker Henri Lefebvre
gemeinsam mit den Architekten Serge Renaudie und Pierre Guilbaud an einem
internationalen Wettbewerb zur Neudefinition urbaner Strukturen in Neu-Belgrad
teil. Ihre städtebaulichen Vision für die 1948 gegründete Hauptstadt
der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien betont die Prozesse
und Potentiale der Selbstorganisation, um gescheiterten Konzepten der von
oben verordneten Stadtplanung entgegen zu wirken. Für Lefebvre hatten
zu diesem Zeitpunkt sowohl die Versprechen der kapitalistischen wie auch der
staatssozialistische Moderne versagt. In Bezug auf die “Revolution der
Städte” nahm das blockfreie Jugoslawien jedoch eine besondere Stellung
ein.
Mit zwei aktuellen Publikationen ‘Autogestion, or Henri Lefebvre in
New Belgrade’ sowie ‘Right, to the City’ erkunden die KünstlerInnen
Sabine Bitter und Helmut Weber (Vancouver/Wien) zentrale Theoreme von Lefebvre,
nämlich "autogestion" und das "Recht auf Stadt".
Eine Veränderung des alltäglichen Lebens müsse laut Lefebvre
durch den Eingriff aller Betroffenen geschehen und nicht nach den Normen der
Repräsentativ-Demokratie. „Auf dieser Ebene hat die Assoziation
der Interessen und der Interessierten ihren Namen. Sie heißt Selbstverwaltung“
(Lefebvre 1967). Für ihn umfasst der Begriff der Produktion auch die
Produktion der gesellschaftlich-sozialen Beziehungen und „im weitesten
Sinne, die Reproduktion“ (Lefebvre 1968).
Der Frankfurter Stadtsoziologe und kritische Urbanist Klaus Ronneberger kontextualisiert
in seinem Buchbeitrag Lefebvres Theorie einerseits historisch (Jugoslawiens
dritter Weg, Praxis-Gruppe, Situationisten und 1968 in Paris, Neue Linke,
Euro-Kommunismus) und verlängert dies hin zu aktuellen Debatten. Denn
wie weit ist das Konzept der (Arbeiter-)Selbstverwaltung in Zeiten neoliberalem
Selbst-Management oder gewerkschaftlicher Forderungen nach Aktienanteilen
an ‚ihren’ Unternehmen als Gegenleistung für Lohnverzicht
noch tragfähig? An wen adressiert sich die Forderung eines Rechts auf
Stadt in Zeiten autoritärer Staaten? Und ist der jugoslawische Selbstverwaltungssozialismus
bis heute in Belgrads umkämpften Räumen virulent? (Siehe hierzu
auch das Projekt Blok70
von Ultra-Red)
Sabine
Bitter & Helmut Weber: Autogestion, or Henri Lefebvre in New Belgrade
With contributions by Sabine Bitter & Helmut Weber, Ljiljana Blagojevic,
Zoran Eric, Klaus Ronnberger, and Neil Smith. Sternberg Press, Berlin &
Fillip, Vancouver | 2009
Sabine
Bitter / Helmut Weber: Right, to the City
With a commentary by Jochen Becker and contributions by Reinhard Braun, Clint
Burnham, Jeff Derksen, Martin Hochleitner, Candice Hopkins, Cecily Nicholson,
Heidi Schatzl, Michael Zinganel. Edition Fotohof, Salzburg | 2009
metroZones.SALOON 2
Istanbul gegen die Wand?
Städtische Konflikte, counter spaces, transnationale Netzwerke
Diskussion mit Pelin Tan, Orhan Esen und VertreterInnen des Forums Berlin
Istanbul
Freitag, 6. Februar 2009 // 20 Uhr im Ballhaus Naunynstraße
Im Frühjahr 2008 gingen Nachrichten über Zwangsräumungen und
den Abriss des Istanbuler Stadtteils Sulukule durch die internationalen Medien.
Heute ist ein Großteil des historischen Roma-Viertels trotz breiten
Widerstands und weltweiter Proteste zerstört. Die bestehenden
Pläne für Parkplätze, Shopping Malls und Luxuswohnungen im
„osmanischen Stil“ scheinen endgültig realisiert zu werden.
Sulukule ist in Istanbul nur eines von vielen Beispielen für aktuelle
(neoliberale) Umstrukturierungsprozesse. Diese treffen sowohl innerstädtische
Quartiere als auch Gecekondu-Viertel, die ursprünglich an der städtischen
Peripherie im Selbstbau entstanden sind. Auch in Tarlabasi, einem Migrantenviertel
in unmittelbarer Nähe des kosmopolitanen Vergnügungsviertel rund
um den Taksimplatz, drohen Gentrifizierungsprozesse und massive Mieterhöhungen
einkommensschwache Bevölkerungsgruppen zu vertreiben.
Auch wenn die Situation in Istanbul durch spezifische Bedingungen geprägt
ist großmaßstäbliche Masterpläne für die
Metropole, neue Stadtentwicklungsgesetze sowie besondere lokale Akteurskonstellationen
, erscheint es sinnvoll, nach Parallelen zu Auseinandersetzungen um
aktuelle Verdrängungs- und Aufwertungsstrategien in Berlin zu fragen.
Wir möchten in der Veranstaltung metroZones.SALOON 2 über aktuelle
urbane Konflikte in Istanbul, über Erfahrungen des (lokalen) Widerstandes
und die Möglichkeiten auch transnationaler Unterstützungsnetzwerke
diskutieren.
Welche Formen der kritischen Intervention gibt es bzw. hat es in Istanbul
gegen städtische Umstrukturierungspläne gegeben? Welches sind zentrale
Handelnde und Bündnisse? Wie werden hierbei die unterschiedlichen Interessen
und Bedürfnisse der Istanbuler Bevölkerung repräsentiert? Was
sind urbane counter spaces, und welche Bedeutung haben sie über die lokalen
Konflikte hinaus? Welche Öffentlichkeiten werden angesprochen und hergestellt?
Welche Formen, Ziele und Foren der transnationalen Vernetzung sind vorstellbar?
metroZones diskutieren mit: Pelin Tan. Soziologin, Vertreterin des Netzwerkes
„Sulukule Platform“ (Istanbul), Gastprofessorin Akademie der bildenden
Künste Nürnberg und Autorin zahlreicher Beiträge zum Verhältnis
von Raum, Stadtpolitik und Kunstpraktiken & Orhan Esen. Historiker, Autor
und Stadtführer (Istanbul), u.a. Mitherausgeber des Buches Self Service
City: Istanbul & VertreterInnen des Forums Berlin Istanbul
Ort: Ballhaus Naunynstraße, Naunynstr. 27, 10997 Berlin-Kreuzberg, U1
u. U8 Kottbusser Tor
Istanbul gegen die Wand? ist eine gemeinsame Veranstaltung von metroZones
und dem Ballhaus Naunynstrasse www.ballhausnaunynstrasse.de
metroZones.SALOON 1
All along Tempelhof
Städtische Interventionen zwischen Protest, Bürgerbeteiligung und
„kultureller Aktivierung“: Lokale Initiativen zur künftigen
Nutzung des Tempelhofer Flughafengeländes
Mit VertreterInnen von raumlabor-berlin, der Bürgerinitiative für
die Nachnutzung des Flughafens Tempelhof (NANU THF) und der Initiative “Tempelhof
für Alle”
Am 31. Oktober wurde der Flugbetrieb in Tempelhof nach dem im April erfolgreich
gescheitertem Volksentscheid endgültig eingestellt. Die Schließung
ist zugleich eine Öffnung: Berlin gewinnt damit im Zentrum der Stadt
eine riesige Freifläche von 386 ha, die 500 Fußballfeldern entspricht
und nach neuen Nutzungskonzeptionen verlangt. Ein wesentliches Versprechen
des Senats in der Auseinandersetzung um die Schließung des Flughafens
war die Ankündigung, dass mit Ende des Flugbetriebs der Berliner Bevölkerung,
vor allem aber den AnwohnerInnen der angrenzenden Quartiere, eine große
Grün-, Frei- und Sportfläche zur Verfügung gestellt wird. Nach
einer ersten Phase der „Bürgerbeteiligung“, Fachforen und
Studien laufen zurzeit diverse städtebauliche und landschaftsplanerische
Wettbewerbe und Interessenbekundungsverfahren, die sich vor allem an potentielle
kommerzielle Investoren richten. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
kündigte an, das Tempelhofer Feld und die umliegenden Stadtviertel im
Rahmen einer Internationalen Bauausstellung (IBA) und einer Internationalen
Gartenausstellung (IGA) entwickeln lassen zu wollen.
Wir möchten am Beispiel der aktuellen Auseinandersetzungen um den Flughafen
Tempelhof mit VertreterInnen lokaler Initiativen eine Diskussion zu unterschiedlichen
Strategien und Ansätzen politischer/städtischer Intervention eröffnen.
Eine Grundannahme ist, dass es kaum Orte und Gelegenheiten gibt, wo es zu
einem Austausch und einer kritischen Reflektion dieser oftmals einfach nebeneinander
existierenden Aktivitäten und Handlungsperspektiven kommt.
Was können im Rahmen der aktuellen Planungen für die Nachnutzung
des Tempelhofer Flughafengeländes und unserer Einschätzungen zur
Berliner Stadtentwicklung sinnvolle (linke) städtische Interventionen
sein? Wer sind die Adressaten bzw. die Interessen, die mit ihnen vertreten
werden? Wie halten wir es mit Konzepten wie „lokaler Demokratie“,
„zukunftsfähige Stadt“ oder „Allgemeinwohl der Bevölkerung“?
Bleibt als kleinster gemeinsamer Nenner linker städtischer Politik nur
noch die Forderung nach mehr „Grün- und Freiflächen“?
Dienstag 16. Dezember 2008 // 20 Uhr im Theater-Café Sowieso, Weisestr.
24, 12049 Berlin-Neukölln
up
metroZones.SALOON
0
Das Politische der Stadt! The Right to the City?
28. und 29. Juni 2008, Berlin
Die Krise politischer Repräsentation sowie radikale ökonomische
Transformationen befördern derzeit vielerorts neue Formen städtischer
Praxis, urbaner Mobilisierung und Organisierung sowie kultureller Widerständigkeit.
Unter dem Schlagwort >The Right to the City< formieren sich seit einigen
Jahren in verschiedenen Ländern soziale Bewegungen, bei denen entweder
das Recht auf Wohnraum, der Zugang zu Bildungsinstitutionen und anderen städtischen
Einrichtungen, die Präsenz in der Öffentlichkeit oder die zunehmende
Verdrängung von einkommensschwachen Bewohnergruppen aus den Zentren der
Metropolen Gegenstand der Auseinander setzungen sind. Auch bei uns ist die
Debatte um das Recht auf Stadt inzwischen mit einiger Verspätung angekommen,
und stellt nicht nur die Frage, wie urbane Interventionen und Strategien der
Raumaneignung und -produktion, welche sich gegen herrschaftliche Definitionen
des Städtischen richten, heute aussehen [könnten], sondern auch
nach dem, was wir selbst als das „Politische“ in der Stadt begreifen.
metroZones e.V. * lädt hiermit zu einer Veranstaltung und zu einem Workshop
am 28. und 29. Juni in Berlin ein um diese Fragen zu diskutieren. metroZones
hat sich als unabhängiger Verein mit dem Ziel gegründet, an der
Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Politik unterschiedliche Ansätze
von Forschung, Wissensproduktion, kulturellen Praxen und politischen Interventionen/Bewegungen
zusammenzubringen und zu thematisieren. Dabei setzen wir auf internationale,
interdisziplinäre und institutionelle Kooperationen.
Öffentliche Veranstaltung am Samstag 28. Juni 2008 20.30 Uhr bei Pro
qm, Almstadtstr. 48-5
u.a. Kurzbeiträge von Marcelo Lopes de Souza (Rio de Janeiro) und Stephan
Lanz (Frankfurt/ Oder u. Berlin) zu Stadtteil- und Favela-Bewegungen in Brasilien;
Kathrin Wildner (Hamburg u. Frankfurt/Oder) und Anne Huffschmid (Berlin u.
Mexiko Stadt) zu politischen Aneigungen von/in Mexiko Stadt; Britta Grell
(Berlin) und Gerda Heck (Köln) zu >The Right to the City Alliance<
in den USA; Ellen Bareis (Frankfurt/Main) , James Redfield (Hanover, USA und
Berlin) und Erwin Riedmann (Berlin) zu Schulkonflikten in den französischen
Banlieues und Berliner Armutsquartieren.
Workshop Sonntag, 29. Juni 2008, 12.oo-17.oo Uhrin der Prinzenallee 58, Berlin-Wedding
Der Workshop findet im Anschluss an die Veranstaltung am Samstag statt und
will in einer kleineren Runde einige der angesprochenen Themen genauer diskutieren.
Teil 1
Inputs der Veranstalter und Teilnehmer zur Bedeutung des Bezugsrahmens „Right
to the City“ für aktuelle städtische Konflikte, Praxen und
Auseinandersetzungen.
Teil 2
Bestandsaufnahme und Fragen nach Trägern, Strategien und Zielen von neuen
Formen der Organisierung, des kollektiven Widerstandes und städtischen
Handelns in globaler Perspektive, basierend auf Erfahrungen aus unterschiedlichen
städtischen Kontexten und
Arbeitsbereichen (Kunst/Kultur, politische Organisierung, soziale Arbeit,
Alltagspraxis etc.).
Teil 3
„Recht auf die Stadt“? Diskussion um die Möglichkeiten der
Kooperation und Notwendigkeiten von neuen Formen der Intervention im lokalen
und internationalen Rahmen.
Im Workshop sollen folgende Fragen im Zentrum stehen:
- >The Right to the City< in Theorie und Praxis: Grundlage und Synthese
für neue Formen der kollektiven Aneignung und Organisierung?
- Urbane Praktiken und Konflikte an verschiedenen Orten Querkopplungen
und Vergleichbarkeit?
- Verhältnis von kritischer Forschung, kulturellen und sozialen Initiativen
und politischer Intervention?
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